Beiträge von Namir al-Rashid

    Seit kurzem ist die Serie Fallout auf Amazon Prime zu sehen. Ich habe die ersten beiden Teile der Spielereihe gespielt und ohnehin eine Schwäche für postapokalyptische Szenarien. Trotzdem war ich doch sehr skeptisch, was die Serie Fallout angeht. Es gibt meiner Meinung nach einfach zu viele Filme und Serien, denen man anmerkt, dass hier jemand die Regie übernommen hat, der das dazugehörige Spiel schlecht bis gar nicht kennt und/oder einfach nur mit einem bekannten Namen das schnelle Geld machen will.


    Und die neue Serie? Es steht Fallout drauf, und es ist 100% Fallout drin :evil: Es ist stellenweise sehr brutal (wie ich finde, im Tarantino-Stil; die Serie ist nicht ohne Grund ab 18), hat den für Fallout typischen schwarzen Humor, und die postapokalyptische Welt ist einem als Fallout-Spieler ebenso sofort vertraut wie die Vaults. Und wie in der Spielereihe gibt es auch in der Serie reihenweise herrlich schräge Figuren, vom naiv-gutgläubigen Bunkerbewohner über die Raider bis hin zu Ghulen und Einsiedlern, die den Verstand verloren haben.


    Ich musste aufpassen, nicht die Story zu verpassen, weil ich ständig damit beschäftigt war, nach vertrauten Sachen aus den Spielen Ausschau zu halten - und davon gibt es in der Serie reichlich. Mr. Handy, Nuka Cola, zweiköpfige Kühe, die Pipboy-Figur sowieso, mutierte Insekten, und immer wieder die Fallout-typischen Werbungen für irgendwelche Roboter oder Vault-Anlagen ...


    Und die Story? Macht ebenfalls Spaß. Sie wird in einem angenehm ruhigen Tempo erzählt, ohne dahinzuplätschern oder gar zu langweilen. Die Spannung wird Stück für Stück aufgebaut, es ergeben sich immer mehr Ungereimtheiten und Rätsel. Die Hauptfiguren wiederum bekommen genug Zeit, um vorgestellt zu werden. Dazwischen immer wieder Actionszenen, und das in einer angenehm ausgewogenen Mischung.


    Wer die Spielereihe kennt, für den ist die Serie ein absolutes Muss. Für alle anderen könnte sie interessant sein, wenn sie auf postapokalyptische Serien stehen. Aber ich glaube, es geht doch viel verloren, wenn man die Spiele nicht kennt. Dann fehlt einfach zu viel Hintergrundwissen und der "cool, das haben die auch aus den Spielen übernommen!"-Effekt.

    Amélie kann ihr Glück kaum fassen. Aidan, ihr Aidan, nennt sie nicht nur Mademoiselle, als wäre sie eine feine Dame. Nein, er sagt auch noch, dass Amélie ihm gefällt. Und schenkt ihr Blumen. Und will sie zum Essen einladen! Heute Abend! Rasch schickt die Schankmaid in Gedanken ein kleines Gebet zu Dibella.


    "Aidan, natürlich will ich, du Trottel! Weißt du eigentlich, wie lange ich schon darauf warte, dass du mich das endlich fragst? Dann kann ich den ganzen Abend deine tollen Unterarme bewundern und mir ausmalen, wie du mich in deine starken Arme nimmst und mich beschützend festhältst!" Laut ausgesprochen hat Amélie das schlauerweise nicht, lediglich gedacht. Nur nicht den Eindruck erwecken, dass sie leicht zu haben wäre. Der Schmiedegeselle soll sich ruhig etwas Mühe geben.


    Mit gespielt skeptischem Blick mustert die junge Bretonin Aidan. "Heute Abend ... ? Ihr habt Glück. Heute Abend habe ich keinen Dienst. Ja, ich denke, das wird gehen. Vorher muss ich mich aber noch ein wenig hübsch machen und die Blumen ins Wasser stellen. Und der da -", sie deutet knapp Richtung Jean-Pierre "- kommt ganz sicher nicht mit."


    Insgeheim hofft Amélie, dass sie nicht zu abweisend war. Sie wartet gar nicht erst eine Antwort ab, dreht sich geradewegs um und geht zurück zu ihrem Zimmer - mit einem überglücklichen Lächeln auf dem Gesicht. "Mademoiselle Amélie ..." geht es der Schankmaid wieder und wieder durch den Kopf.

    Amélie ist gerade in ihrem Zimmer damit beschäftigt, frisch gewaschene und getrocknete Kleidung zusammenzulegen, als sie wiederholt ein Klack, Klack an ihrem Fenster hört. Erst verwundert, dann verärgert stapft die junge Schankmaid zum Fenster und öffnet es. Ihr Ärger lässt keineswegs nach, als sie Jean-Pierre unten stehen sieht, ganz im Gegenteil.


    "Was fällt Euch ein, selbstverliebter Narr! Sucht Euch gefälligst eine an-". Erst jetzt bemerkt Amélie, dass neben dem Barden Aidan steht. Für einen kurzen Moment ist sie völlig verdattert und versteht nicht recht, doch dann dämmert ihr, was hier wirklich los ist. "Oh Akatosh" murmelt sie aufgeregt und bemüht sich, in möglichst strengem Tonfall zu reden: "Ihr zwei! Bleibt bloß da stehen!"


    Hastig schließt die Schankmaid das Fenster, eilt zum Spiegel und zupft sich die Haare nervös zurecht. Sie hat die Tür schon aufgemacht, als sie noch einmal zu ihrem Nachtschränkchen zurückrennt und aus der Schublade ein kleines Fläschchen hervorholt. Ein paar Tropfen auf Hals und Dekolletè, dann flitzt Amélie die Treppe hinunter und nach draußen.


    Kaum hat sie das Gasthaus verlassen, bemüht die Bretonin sich, möglichst ruhig und selbstbeherrscht zu wirken. Und läuft natürlich langsam auf Jean-Pierre und Aidan zu. Zunächst wird Aidan mit einem kurzen, schüchternen Lächeln bedacht, doch schnell wendet Amélie sich mit strafendem Blick dem Barden zu. "Wollt Ihr unbedingt mein Fenster zertrümmern, Monsieur Barde? So eine Idee kann auch nur von Euch kommen. Hätte Aidan nicht auf Euch gehört, wäre er sicher viel taktvoller vorgegangen."


    Erneut wird der Schmied mit einem schüchternen Lächeln bedacht, wobei Amélie es sich nicht nehmen lässt, einen verstohlenen Blick auf seine muskulösen Arme zu werfen. "Diese Arme, diese tollen Arme! Jetzt nur nicht schwach werden!", geht es der nervösen Schankmaid durch den Kopf. Schließlich fällt ihr Blick auf den Blumenstrauß, den Aidan in seiner Hand hält. "Sind die für mich?", fragt sie möglichst unschuldig. Bevor sie eine Antwort von Aidan bekommt, lässt die Bretonin es sich jedoch nicht nehmen, Jean-Pierre einen giftigen Blick zuzuwerfen und fragt schnippisch "Habt Ihr nichts zu tun?"

    [DB] Wegesruh


    Wenn es etwas gab, was Wegesruher ebenso liebten wie Süßkringel, dann waren es Gerüchte (vorzugsweise über Adelige). Zum Glück für die Bewohner der Stadt gab es von beiden mehr als genug.


    Da waren zum Beispiel die mysteriösen Morde, die ausnahmslos einstige Bewohner aus dem Dominion zu treffen schienen. Die Stadtwachen hatten nun verkündet, der Mörder sei gefasst, und die Morde seien aufgeklärt. Die meisten Büger gaben sich damit zufrieden. Keine weiteren Morde, keine Wegelagerer und Räuber auf den Strassen vor Wegesruh - die Stadtwachen leisteten derzeit wirklich gute Arbeit. Wenn jetzt noch endgültig die ständige Bedrohung durch die Dreugh abgewehrt werden würde, wäre es in der Hauptstadt des Bündnisses so ruhig wie lange nicht mehr. Wenn man von den ständigen haarsträubenden Experimenten in der Magiergilde, die immer wieder für Ärger sorgten, einmal absah.


    Doch so manch einer war argwöhnisch, was die vermeintliche Aufklärung der Morde anging. Erst schienen die Stadtwachen keinerlei Fortschritte zu machen, und nun war der Mörder schlagartig gefasst? Warum wurde so wenig über den Mörder bekannt? Kam er oder sie ins Gefängnis? Würde es eine Hinrichtung geben? Schnell kamen neue Gerüchte auf. Es handele sich um einen Spion des Dominions, der abtrünnige Dominionbürger ermordet hatte. Der Ring der Dolche sei an der Sache beteiligt, deshalb die Geheimniskrämerei. Womöglich liefe der Mörder sogar noch frei herum. Die Mehrheit der Bürger tat es aber als Geschwätz ab.

    Kein Geschwätz, sondern eine handfeste Tatsache war dagegen die Neuigkeit, dass im Haus der Wissenschaft Vorbereitungen für eine Forschungsreise getroffen wurden. Man wolle zurück zu den Ursprüngen, sich wieder gänzlich der Erkundung von Tamriel widmen und weg von der Jagd nach Kultisten und ihren daedrischen Meistern. Gab es womöglich sogar eine Fortsetzung der Reiseaufzeichnungen, die einst in Buchform erschienen waren? Es gab zwar keinerlei Hinweise darauf, doch das hielt manch einen wissenschaftlich Interessierten nicht davon ab, eine schriftliche Anfrage dazu im Forscherhaus einzureichen. Die Forschungsreise selbst indessen sollte quer durch Daenia führen, ohne ein bestimmtes Ziel oder eine spezielle Aufgabe.

    Die geplante Reise nach Dolchsturz per Schiff könnte sich allerdings als schwierig herausstellen. Anfangs schienen es nur Geschichten von betrunkenen Seeleuten. Doch mehr und mehr zeichnete sich ab, dass an den Geschichten wohl mehr dran war, als zunächst gedacht - ein Geisterschiff machte angeblich den südlichen Teil der Iliac-Bucht unsicher. Es tauchte stets nachts auf, begleitet von einem schweren Sturm. Das war auch schon so ziemlich alles, worin sich die zahlreichen Geschichten über das unheimliche Schiff gleichten. Darüber hinaus erzählte jeder eine gänzlich andere Version. Ob Seemannsgarn oder wahr, immer mehr Kapitäne mieden es, von Wegesruh nach Dolchsturz zu segeln. Und auch von Dolchsturz kamen zuletzt merklich weniger Schiffe an, was erheblichen Einfluss auf den Handel der beiden Städte hatte.


    Was den einfachen Seeleuten Angst einjagte, weckte bei Abenteurern die Neugier, und es gab erste Unternehmungen, dem Geisterschiff auf die Spur zu kommen. Zwei Schiffe kehrten ohne neue Erkenntnisse zurück nach Wegesruh, ein drittes Schiff hingegen, die "wehende Meerjungfrau", war seit zwei Wochen spurlos verschwunden - was einige Seeleute, Kapitäne, und zunehmend auch Bürger als Beweis für die Existenz des Geisterschiffes ansahen. So interessant die Geistergeschichten sein mochten, letztlich wirkten sie sich schlecht auf den Handel aus. Und das sahen die Wegesruher gar nicht gern.

    Vor den Toren des Ordenshauses wurde eine Schriftrolle aus edlem Pergament abgelegt. Im Wachs, mit dem die Schriftrolle versiegelt worden war, war das Symbol eines eisernen Handschuhs, um den sich eine Schlange wandte. An wen das Schriftstück gerichtet war, blieb offen. In schwungvoll eleganten Buchstaben stand lediglich ein einzelner Satz auf dem Pergament niedergeschrieben ...


    Bereit für ein neues Spiel?

    Ein ganz großes Danke schön an alle, die in den letzten 7 Jahren das Haus der Wissenschaft mit ihrem Rollenspiel bereichert haben. Ja, es klingt banal, und trotzdem möchte ich es auch an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich betonen - die schönste Idee für ein Projekt oder auch nur ein Event ist wertlos, wenn es keine Spieler gibt, welche die Idee mit ihrem Rollenspiel zum Leben erwecken. Als Projektleiter mag ich (hoffentlich) gute Ideen haben, aber erst das gemeinsame Spiel macht das Haus der Wissenschaft zu einem so besonderen und langjährigen Projekt.


    Danke auch an all die Spieler in Wegesruh, die aus einer Pixel-Stadt auf einem Server einen spannenden und lebendigen Ort machen, an dem man sich als Rollenspieler wohl fühlt und vom Alltag wunderbar abschalten kann. Was ich gleichermaßen im Forscherhaus wie in unserer Wegesruher Gruppe auch sehr zu schätzen weiß, ist die Toleranz und Akzeptanz unterschiedlichster Spieler und deren Meinungen. Wir sind oft genug nicht immer einer Meinung, und ja, gelegentlich knartscht es sogar gehörig. Aber ich habe bisher noch nicht erlebt, dass es deswegen zu einem Bruch innerhalb der Wegesruher Spielerschaft gekommen wäre. Egal, wie groß die Differenzen manchmal sein mögen, am Ende raufen wir uns doch wieder zusammen und konzentrieren uns auf das, was uns allen wirklich wichtig ist - spannendes und schönes Rollenspiel in und um Wegesruh.

    Es mag kitschig klingen, aber die Mini-Community, die sich rund um Wegesruh entwickelt hat, ist etwas, was ich nicht missen möchte und hoffentlich noch lange Bestand hat :)

    Das Amulett des Abal al-Mazzeb - lange Zeit nur ein Mythos, nun eine reale und sehr gefährliche Waffe, die sich allem Anschein nach gegen jeden Magier richtete, der es ahnungslos verwenden wollte. Der in dem Amulett eingesperrte niedere Daedroth trieb seinen Träger, ja selbst umstehende Magier, in relativ kurzer Zeit in den Wahnsinn. Das erschreckendste daran war, dass dies absolut im Sinne des Erfinders war. Ein Dwemer, gleichermaßen genial wie verrückt und von der Idee besessen, jegliche nicht-dwemerischen Magier zu vernichten, hatte das Amulett einst erschaffen und war dafür von seinen eigenen Leuten schwer bestraft worden. Sicher belegen ließ sich das heute nicht mehr, doch es schien der Wahrheit noch am nächsten zu kommen.


    Erst war Namir al-Rashid ganz dafür, noch weitere Nachforschungen anzustellen, doch dann setzte er sich kurzerhand gegen Madame Barneau und Gildenmeister Benry Claverie durch und bestand darauf, das Amulett schnellstmöglich aus dem Haus der Wissenschaft zu schaffen und zurück in die Magiergilde zu bringen. Sicher, in der Magiergilde war das Amulett ein (vergifteter) Honigtopf in einer Höhle voll hungriger Bären. Doch hier konnten auf Dauer weitaus umfassendere Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden als im Forscherhaus. Außerdem standen Magus Aaravos, Magistra Aethyra, und weiteren, für dieses Projekt nach strengen Kriterien ausgewählten Magiern in der Gilde mehr Werkzeuge zur Verfügung, um das Amulett zu erforschen und gegebenenfalls zu deaktivieren.


    Währenddessen wurde im Haus der Wissenschaft bereits eine neue, umfassende Forschungsreise geplant. Doch zuvor musste Namir sich noch um einen Auftrag von Madame Barneau kümmern - eine Chronik des Hauses der Wissenschaft, die pünktlich zum 7. Jahrestag fertig sein und veröffentlicht werden sollte. Für den Schreiber und seinen dunmerischen Kammerdiener Sevan Dral bedeutete das neben reichlich Arbeit vor allem viel Geduld. Namir hatte natürlich zu allen möglichen Reisen und Vorgängen Aufzeichnungen gemacht, sich aber nie sonderlich darum gekümmert, die Aufzeichnungen auch zu sortieren. Kammerdiener Sevan wiederum bemühte sich seit seiner Einstellung im Forscherhaus, das "von Meister Namir verursachte Chaos" in Grenzen zu halten, doch nur mit mäßigem Erfolg, wie der Dunmer dem Schreiber immer wieder vorhielt. Umso erleichterter waren beide, als die Chronik endlich abgeschlossen war. 7 Jahre Geschichte des Forscherhauses, kurz und bündig zusammengefasst und bereit, in wenigen Tagen veröffentlicht zu werden.

    Ich für meinen Teil muss gestehen, ich habe die Abstimmung komplett verpennt X/ Ich war aus irgendeinem unerfindlichen Grund der Meinung, ich hätte ja noch genug Zeit, und hatte mich dem Zeitraum für die Stimmabgabe völlig vertan. Dabei hatte das, was es in der "Vorschau" im Forum zu sehen gab, reichlich Lust auf mehr gemacht. Und ich schaue mir schon deshalb gerne andere Häuser an, um Ideen für mich selbst zu finden und vielleicht auch das eine oder andere Haus für einen Plot zu entdecken. Ich gelobe beim nächsten Mal Besserung.

    Während sich die Gefährten im Forscherhaus gänzlich auf das Amulett des Abal al-Mazzeb konzentrierten, lenkte Madame Barneau ihre Aufmerksamkeit auf ein anderes Problem - die beiden Vampirinnen Orlionne Lalis und Salima al-Maysun.


    Orlionne war eine unfreiwillige Marionette der Untoten Loriel, die wesentlich daran beteiligt gewesen war, zusammen mit dem Schakal in Wegesruh Chaos anzurichten. Orlionne war zurück nach Wegesruh gekehrt und trachtete nun danach, ihr einstiges Adelshaus Lalis wieder aufzubauen und zu neuem Glanz zu verhelfen. Da vor allem Namir, aber auch die anderen Gefährten Orlionnes wahre Identität kannten, schlug die Vampirin den Gefährten einen Handel vor - das Schweigen der Gefährten gegen Informationen darüber, welche Pläne Salima al-Maysun schmiedete.


    Die "Verhandlungen" wurden rasch von Madame Barneau übernommen. Die Mäzenin hatte nicht das geringste Interesse daran, sich mit einer Vampirin einzulassen. Es widersprach nicht nur ihrem Glauben an die Acht und besonders an Mara, sie hatte auch keinerlei Vertrauen zu einer Kreatur, die zu den Vier Abscheulichkeiten zählten. Dennoch ließ die Bretonin sich zum Schein auf eine Art Bündnis ein. So hatte Madame Barneau einerseits neben ihren eigenen Informanten einen zusätzlichen Spitzel (wenngleich einen, der als Quelle mit Vorsicht zu genießen war). Andererseits konnte Madame Barneau womöglich leichter herausfinden, welche Ziele Orlionne tatsächlich verfolgte.


    Bisher sah es danach aus, dass die Vampirin einzig und allein darauf aus war, das Haus Lalis neu aufleben zu lassen. Und dennoch ... es gab Unstimmigkeiten. Laut Orlionne wollte Salima Rache am Haus der Wissenschaft üben. Die Mäzenin konnte jedoch bisher nichts finden, was die Aussagen von Orlionne bestätigen würden. Was noch weitaus merkwürdiger war, vor einigen Tagen hatte der Orden der Hexenjäger eine rothaarige Schankmaid aus dem Gasthaus zum Verhör abgeführt. Es konnte sich dabei nur um Orlionne gehandelt haben. Die Schankmaid konnte kurz darauf unbehelligt wieder gehen. Wie war es möglich, dass der Orden eine Vampirin zum Verhör mitnahm und sie wieder gehen ließ? Madame Barneau hatte sich mit Magistra Aethyra darüber ausgetauscht, und die beiden Frauen waren rasch zu dem selben Schluss gekommen - Orlionne schien etwas zu wissen, was dem Orden der Hexenjäger erheblich schaden konnte.


    Und auch Salima al-Maysun, vielen vor allem als Schakal bekannt, war zurück in der Stadt. Allerdings hielt sich die zweite Vampirin bisher auffällig zurück. Es gab Gerüchte, dass Salima innerhalb eines Vampirklans versuchte, die "alten Anführer" zu stürzen und den jungen Vampiren zur Macht zu verhelfen. Welcher Klan das war, und was Salimas langfristige Ziele waren, darüber hatten weder die Mäzenin noch Orlionne bisher etwas herausfinden können. Orlionne konnte Madame Barneau mit ihrer bisherigen Vorgehensweise recht gut im Auge behalten. Salima hingegen entzog sich einmal mehr jeglicher Beobachtung und war nur schwer zu fassen. Und das machte der Bretonin weitaus mehr Sorgen als Orlionne oder das Amulett des Abal al-Mazzeb.

    [DB] Wegesruh


    Etwas bedrohliches lag in der Luft. Die Bürger von Wegesruh konnten nicht genau sagen, was es war, doch sie spürten es nur zu deutlich. Es gab nicht den einen ausschlaggebenden Anlass. Vielmehr waren es eine ganze Reihe "kleinerer" Ereignisse, die in zu kurzer Zeit zusammenkamen - und womöglich miteinander zusammenhingen?


    Die umliegenden Strassen von Wegesruh waren zuletzt sicherer geworden, kaum ein Wegelagerer hatte reisende Händler und Bürger überfallen. Zunächst waren viele Wegesruher darüber erfreut. Doch inzwischen kamen Zweifel auf. Was, wenn es gar kein Erfolg der Stadtwachen war, sondern die Räuber und Diebe ahnten (oder gar wussten), dass eine düstere Bedrohung über der Stadt lag? Was, wenn sie sich aus Angst zurückgezogen hatten? Aus Angst vor dem, was der Stadt noch bevorstand?


    Auch mehrten sich die Gerüchte, dass in der Magiergilde vor kurzem ein besonders gefährliches Relikt eingetroffen war. Ein Relikt, das selbst vor den eigenen Mitgliedern der Gilde beschützt werden musste. Die Gilde selbst äußerte sich wie gewohnt nicht zu derlei Spekulationen, doch es war unbestreitbar, dass der Orden des Lichts im Gildenhaus mehr Präsenz zeigte als sonst. Angeblich waren auch verschiedenste Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden, ohne nähere Angabe von Gründen.


    Vor mehr als 2 Wochen gab es außerdem einen merkwürdigen Zwischenfall, der bei den meisten Bewohnern der Stadt allenfalls als "geheimnisvolle Geschichte" abgetan worden war. Eine Reihe von Barden, Poeten und besonders empfindlichen Personen hatte behauptet, den gleichen Traum von einer Dwemerschmiede gehabt zu haben. Nun schien es, als habe sich der Vorfall wiederholt, allerdings mit weitaus drastischeren Folgen. Es traf weitestgehend die gleichen Leute, viele von ihnen waren am Tag darauf völlig verstört. Drei von ihnen verloren den Verstand und waren zutiefst verängstig, ohne wieder einen klaren Geist zu erlangen. Alle berichteten übereinstimmend, sie hätten von einer mächtigen Waffe geträumt und von einem wahnsinnigen Dwemer, der versucht hatte, sie umzubringen.


    Letzten Monat gab es einen grausamen Mord an einem altmerischen Magier. Ziemlich genau 4 Wochen später wurde ein Bosmer auf die gleiche Weise ermordet. Und nun gab es ein weiteres Opfer, das qualvoll gefoltert und zugleich vergiftet wurde. Wieder war es ein Altmer, der vor einigen Jahren aus Himmelswacht hierher gekommen war und zurückgezogen in Wegesruh lebte, wie die beiden Opfer zuvor. Allem Anschein nach stand er kurz davor, die Stadt überstürzt zu verlassen. Die Stadtwachen schienen bei den Morden weiterhin nicht den geringsten Hinweis zu haben. Schnell machte das Gerücht die Runde, der Thalmor stecke hinter all dem, und der Ring der Dolche sei auf der Jagd nach dem Mörder - oder den Mördern?


    Ein weiterer Mord von ganz anderer Art sorgte ebenfalls für Unruhe. Vor zwei Tagen wurde die Leiche eines Vampirs gefunden, in unmittelbarer Nähe des Marktes. Der Gedanke, Vampire könnten in der Stadt sein, war mehr als beängstigend. Die Bürger vermuteten rasch, der Orden der Hexenjäger stecke dahinter. Hatten sie nicht erst vor kurzem eine junge Schankmaid aus dem Gasthaus geholt und sie zu Unrecht beschuldigt? Wenn es jemanden gab, der es mit Vampiren aufnehmen konnte, dann doch wohl der Orden. So ehrenhaft ihr Kampf gegen die Vier Abscheulichkeiten war, Wegesruh war deswegen noch lange nicht ihre Stadt, in der sie hemmungslos auf die Jagd gehen konnten. Doch was, wenn nicht der Orden, sondern jemand ... oder etwas anderes dahinter steckte?


    Und genau in dieser Zeit wurde eine Reikhexe Hofmagierin? Das konnte unmöglich ein Zufall sein. Hatte Großkönig Emeric die Hexe in weiser Voraussicht an den Hof geholt? Wusste er womöglich, welche Bedrohung auf Wegesruh zukam? Oder war sie selbst Teil all der rätselhaften und beunruhigenden Ereignisse, die sich in den letzten Wochen auffallend häuften? Hier und da gab es noch eine andere Überlegung, doch niemand traute sich, es laut auszusprechen - was, wenn der Schakal zurückgekehrt war? Jener Boethiah-Kultist, der mit seinen Anhängern schon einmal für Angst und Schrecken in Wegesruh gesorgt hatte und nun nach Rache strebte?


    All das war kein Zufall, es hing miteinander zusammen. Etwas bedrohliches lag in der Luft, dessen waren sich die Wegesruher Bürger sicher ...

    Zu Beginn war es kaum mehr als ein Mythos. Die wenigen Hinweise, die es gab, beschränkten sich auf ein paar spärliche Aufzeichnungen eines rothwardonischen Gelehrten, der schon zu Lebzeiten einen eher zweifelhaften Ruf hatte. Aus dem Mythos wurde Gewissheit und ein höchst rätselhaftes Relikt, und schnell wurde klar, das es aufgrund seiner Macht nicht in die falschen Hände geraten durfte.


    Namir hatte einige Skizzen, die Sylvatica zuvor von dem Amulett angefertigt hatte, gründlich untersucht und sich dabei vor allem auf die eingravierten Runen konzentriert. Es waren ohne Zweifel Dwemerrunen, und doch hatte den Forscher etwas daran gestört. Namir mochte der Dwemersprache nicht mächtig sein, doch als Schreiber konnte er sehr sicher Schriften analysieren. Schließlich war ihm eine auf den ersten Blick abwegige Idee gekommen, und ein Vergleich mit anderen Runen schien seine Überlegungen zu bestätigen.


    Aaravos, Sylvatica und Namir hatten sich zu weiteren Untersuchungen im Forscherhaus getroffen, wo der Schreiber den beiden anderen seine Überlegungen vorstellte. Es gab in einigen Dwemerrunen Abweichungen, die nicht mit einer Art Dialekt erklärt werden konnten. Der Rothwardone legte neben die ausgebreiteten Skizzen von Sylvatica ein Buch mit Alphabeten verschiedenster Sprachen und schlug eine Seite auf, auf der daedrische Runen abgebildet waren. Auf den ersten Blick gab es keine Übereinstimmungen, doch bei näherer Betrachtung war zu erkennen, dass einige der Runen auf dem Amulett mehr dem daedrischen als dem dwemerischen Alphabet glichen. Namir vermutete, das hier womöglich eine spezielle Art der Runenmagie geschaffen worden war.


    Aaravos und Sylvatica waren sich einig, das weitere Untersuchungen nötig waren. Das Amulett war noch immer sicher in seinem magischen Käfig verwahrt. Während der Magus begann, Magie zu wirken, setzte Sylvatica ein Dwemerinstrument ein, um gemeinsam nach Spuren daedrischer Magie zu suchen. Kaum waren die beiden mitten in ihrer Untersuchung, bekamen sie einen kurzen, aber heftigen arkanen Schlag. Offenbar ein Abwehrmechanismus im Amulett! Den Göttern sei Dank war der Dunmer und dem Altmer nichts schlimmes passiert.


    Inzwischen waren auch Maga Marion und Magistra Aethyra dazugekommen. Sie hielten sich zunächst zurück und liessen Aaravos und Sylvatica ihre Arbeit machen. Nachdem Aaravos und Sylvatica bei ihren Untersuchungen nicht weiterkamen, kam der Magistra eine Idee, wie dem Amulett womöglich doch noch beizukommen war, um mehr darüber herauszufinden.


    Aethyra bereitete sich gedanklich kurz vor, dann begann sie, Magie auf das Dwemer-Relikt zu wirken. Schnell spürte sie, wie eine Stimme ihr einflüsterte, das beste sei, das Amulett einfach an sich zu nehmen. Wäre es nicht verlockend, wenn man ein solch machtvolles Instrument doch kontrollieren könnte? Welch ungeahnte Möglichkeiten sich auftun würden, könnte ein Magier, dessen Willenskraft nur stark genug wäre, eine solch unbegrenzte Magiequelle nutzen. Selbst für eine erfahrene Magistra wie Aethyra war es nicht leicht, den Verlockungen zu widerstehen. Dabei erkannte sie, je mehr sie sich den Verlockungen hingab, desto klarer erkannte sie das arkane Webmuster. Je mehr Aethyra sich gegen die Verlockungen wehrte, desto undeutlicher wurde das Webmuster.


    Es gelang der Magistra, einen Grenzbereich zu fokussieren, an dem sie gerade noch die Magie des Amuletts analysieren konnte, und zugleich genug Kraft hatte, den Verlockungen der Stimme zu widerstehen. Die Magie des Amuletts war höchst komplex und selbst für Aethyra nur schwer nachzuvollziehen. Doch die Dunmer erkannte noch etwas anderes. Etwas, das die Gefährlichkeit des Amuletts endgültig ausser Frage stellte.


    Erschöpft beendete Aethyra ihr Magiewirken. Es dauerte einige Augenblicke, bis sie endlich zu sprechen begann. Sie berichtete von der Komplexität des arkanen Webmusters - und davon, dass im Amulett ein niederer Daedroth gefangen war. Aaravos schlussfolgerte sofort, dass der Daedroth die Quelle des schier grenzenlosen Magickastromes sein musste. Wenn der Daedroth "getötet" und in genau jenem Moment gefangen worden war, als er sich erneut manifestieren wollte, hatte man damit ein Wesen, das in einer permanenten Manifestation steckte, was wiederum Magie benötigte. Wurde diese Magie aus dem Reich des Vergessens angezapft, hatte man eine theoretisch nie versiegende Quelle. Doch der Daedroth war zugleich eine Stimme, die den Träger des Relikts (und alle in der Nähe befindlichen magiebegabten Personen) zu manipulieren versuchte. Eine gleichermaßen geniale wie zutiefst verstörende Erfindung, die nach dem bisherigen Wissensstand der Gefährten nicht kontrollierbar war.


    Sie hatten eine erste bedeutsame Antwort gefunden. Doch wie so oft in der Forschung ergaben sich mit einer Antwort zahlreiche neue Fragen. War das Relikt dwemerischen oder daedrischen Ursprungs? Waren die Dwemer, wenn das Amulett denn wirklich von ihnen stammte, in der Lage, es zu kontrollieren? Und wenn ja, warum gab es dann allem Anschein nach nur dieses eine Amulett? Warum hatte man bisher nie irgendwelche Hinweise auf ein solch machtvolles Relikt gefunden? Hatten die Dwemer vielleicht etwas erschaffen, das sie am Ende selbst fürchteten?


    Die schwierigste und drängendste Frage war jedoch - was sollte nun mit dem Amulett geschehen?

    Das Amulett des Abal al-Mazzeb war in Wegesruh eingetroffen und der Magiergilde übergeben worden. Einige ausgewählte Magister begutachteten das Relikt und stellten Namir al-Rashid allerlei ausführliche Fragen dazu. Wo es gefunden wurde, wie er und seine Gefährten an den Fund kamen, ob es irgenndwelche Auffälligkeiten gab, und so weiter ...


    Rasch wurde das Amulett von Magister Benry und zwei weiteren, in den Plan eingeweihten Magistern in einen gut abgesicherten Raum gebracht - wo der Khajiit Kharjan-dar bereits darauf wartete, im Auftrag von Madame Barneau das Relikt an sich zu nehmen und aus der Gilde zu schmuggeln. Im Forscherhaus angekommen, legte der Dieb das Amulett nach den Anweisungen von Magus Aaravos in eine speziell dafür konstruierte Art magischen Käfig. Damit war der erste Teil des von Magister Benry und Madame Barneau erdachten Plans aufgegangen. Nun hieß es, schnellstmöglich das Geheimnis des Amuletts zu lüften, bevor jemand in der Magiergilde Verdacht schöpfte.


    Auch Maga Marion Tremblay war im Forscherhaus anwesend, als das von Dwemern erschaffene Amulett übergeben wurde. Sie wurde schnell misstrauisch und stellte Aaravos allerlei Fragen über die sichere Verwahrung des Relikts. Auf ihre Einwände hin erklärten Aaravos, die Dwemerforscherin Sylvatica Aschehauch und Magistra Aethyra sich bereit, das Relikt auf Illusionen und Transformationen hin zu untersuchen. Dank der Untersuchungen konnte bestätigt werden, dass sie es hier wirklich mit einem Amulett zu tun hatten. Doch die vermeintlich einfache Aufgabe stellte sich als weitaus anstrengender und magiefordernder heraus als erwartet. Alle Beteiligten hatten ein höchst ungutes Gefühl. Dwemer-Relikte, egal welcher Art, waren immer eine heikle Angelegenheit, erst recht, wenn sie nie zuvor erforscht und gänzlich unbekannt waren. In diesem Fall allerdings schien noch weitaus mehr dahinter zu stecken.

    Das aktuelle Forschungsprojekt allein war schon äußerst riskant - und wurde durch weitere Neuigkeiten keineswegs einfacher. Die Boethiah-Kultistin Salima al-Maysun, besser bekannt als der Schakal, hatte zusammen mit der untoten Nekromantin Loriel einige Zeit in Wegesruh Angst und Schrecken verbreitet und durch eine Intrige beinahe das Haus der Wissenschaft in den Abgrund gestürzt. Die Nekromantin konnte damals bezwungen werden, doch der Schakal war entkommen. Und auch die Vampirin Orlionne Lalis, die von Loriel zur "Zusammenarbeit" gezwungen worden war und in deren Auftrag kurzzeitig Namir al-Rashid entführt hatte, konnte damals entkommen.

    Salima war zurück in Wegesruh und hatte Magistra Aethyra in ihrem Emporium Arcanum aufgesucht, um die dunmerische Gelehrte vor dem Amulett zu warnen. "Es ist nicht das, was es zu sein scheint." war die kryptische Aussage der Kultistin. Nur wenige Tage später war Orlionne Lalis aufgetaucht und wollte mit dem rothwardonischen Schreiber einen Handel vereinbaren. Die Gefährten, vor allem aber Namir, kannten die wahre Identität von Orlionne. Das Forscherhaus sollte Stillschweigen wahren und würde im Gegenzug Informationen darüber erhalten, was Salima plante. Namir wandte sich sofort an Magistra Aethyra und weihte auch Madame Barneau umgehend über die Begegnung mit Orlionne ein.


    Salima al-Maysun war den Gefährten ohne Frage einmal mehr einen Schritt voraus. Entweder wollte sie alle in falsche Sicherheit wiegen und das Amulett im richtigen Moment stehlen. Oder sie war wirklich nicht daran interessiert und kannte die Wahrheit über das Relikt. In Anbetracht der Macht, die offenbar in dem Amulett steckte, stellte sich die Frage, welche Option besorgniserregender war. Doch warum warnte sie die Gefährten?

    Auch bei Orlionne stellten sich einige Fragen. Wollte sie Rache an Salima nehmen? Wusste sie von dem Amulett? Zumindest hatte sie es bisher mit keiner Silbe erwähnt oder danach gefragt. Ging es der Vampirin wirklich nur darum, wieder in die Adelsgesellschaft aufzusteigen? Inwieweit konnte man ihr trauen, wenn es darum ging, Salima auszuspionieren?


    Ein verworrenes Netz, bei dem nicht klar war, was miteinander zusammenhing, und wer welche Pläne und Absichten verfolgte. Dazu ein machtvolles Dwemer-Amulett im Haus, für das nicht wenige einen Mord oder schlimmeres begehen würden, wenn sie davon wüssten. Namir sehnte sich nach den Tagen, als während seiner Forschungsreisen Goblins und Rotkrähen seine ärgsten Probleme waren und das größte Rätsel für ihn darin bestand, wo Ghin schon wieder eines seiner Bücher verlegt hatte.

    [DB] Wegesruh


    Über mangelnde Gerüchte konnte man sich dieser Tage in der Hauptstadt des Bündnisses wahrlich nicht beklagen. Manches davon war erheiternd, anderes geheimnisvoll, und einiges wiederum höchst beunruhigend.


    Da war zum Beispiel der Zwischenfall im Emporium Arcanum, jenem Magierladen der Magistra Aethyra. Die Magistra hatte dem Lehrling Gad für ein paar Stunden den Laden überlassen - keine gute Idee, wie sich schnell herausstellte. Es war nicht ganz klar, was genau passiert war, doch einige Bewohner berichteten nicht ohne Spott und Häme, das Arcanum sei durch ungeschicktes Magiewirken des Lehrlings unter Wasser gesetzt worden. Das Emporium Arcanum dürfte nun so sauber sein wie lange nicht mehr. Und den Lehrling dürfte sicherlich eine äußerst unangenehme Strafe erwarten.


    Ein wenig geheimnisvoll, wenn nicht gar unheimlich war dagegen ein ganz anderes Gerücht. In der Nacht von Loredas auf Sundas hatten gleich mehrere Bewohner von Wegesruh, schätzungsweise 20 bis 25, einen verblüffend ähnlichen Traum. Auffälligerweise waren es vor allem Barden, Poeten, und sehr sensible Personen, die davon berichteten. Hätten sich einige Barden und Poeten nicht im Gasthaus darüber ausgetauscht, die Sache wäre womöglich gar nicht weiter aufgefallen. Die Betroffenen erzählten übereinstimmend und unabhängig voneinander, dass sie sich in einer riesigen Dwemerschmiede auf einer Art Brücke oder Übergang befunden hätten und ein kleiner Trupp dwemerischer Soldaten geradewegs auf sie zumarschiert sei. Viel mehr sei eigentlich gar nicht passiert, doch fast alle Träumenden hatten das Erlebte als zutiefst real und beklemmend empfunden, als stünde im Traum unmittelbar ein besonders schwerwiegendes Ereignis bevor.


    Dunkle Magie? Ein missglücktes Experiment der Magiergilde? Eine Warnung? Oder einfach nur eine Laune der Götter? Die ganze Angelegenheit blieb bis auf weiteres ein Geheimnis. Aber immerhin bot sie interessanten Gesprächsstoff und viel Platz für wilde Spekulationen.


    Nicht weniger geheimnisvoll, doch weitaus verstörender war der Mord an einem bosmerischen Gelehrten. Trotz aller Bemühungen der Stadtwache, möglichst wenig Informationen an die Öffentlichkeit geraten zu lassen, sickerten schnell erste Hinweise durch. Der Bosmer wurde auf äußerst grausame Weise gefoltert und zugleich mit einem langsam wirkenden Gift qualvoll getötet. Die Parallelen zu einem vorhergehenden Mord vor gut 1 Monat waren beim besten Willen nicht zu leugnen. Wieder handelte es sich um einen Bürger, der einige Jahre zuvor aus Himmelswacht nach Wegesruh gekommen war. Wieder war es ein Gelehrter, der äußerst zurückgezogen lebte und alles daran zu setzen schien, keine Aufmerksamkeit zu erregen.


    War dem ersten Mord dieser Art noch wenig Beachtung geschenkt worden, zeigten sich nicht wenige Wegesruher dieses Mal äußerst beunruhigt. Schnell kam das Gerücht auf, Mitglieder des Thalmor könnten ungehindert in Wegesruh ihnen unliebsame Personen ermorden. Für die Stadtwachen war das eine denkbar schlechte Entwicklung der Dinge, zumal sie immer noch keinerlei Hinweise hatten, wer dahinter steckte.

    Es war ein einfacher, knapp gehaltener Brief, eigentlich sogar nur eine kurze Notiz. Irgendeine unbekannte Dame wollte sich mit Namir im oberen Stockwerk des Gasthauses Zur trüben Neige treffen, ohne nähere Angabe, worum es ging. Der Rothwardone war der Bitte um ein Treffen nachgekommen, nicht ahnend, dass er damit das Tor zu einem längst vergessen geglaubten Alptraum erneut weit aufstossen würde.


    Als das Treffen beendet war, lief der Rothwardone völlig verängstigt die Treppe hinab und stellte sich an die Theke des Gasthauses. Die Anwesenheit von Magistra Aethyra und Komtess Vanesé Laurent, die ebenfalls an der Theke standen, nahm Namir allenfalls am Rande wahr. Spätestens, als der Schreiber einen Schnaps bestellte und seine Hand so sehr zitterte, dass ein gehöriger Teil der Flüssigkeit aus dem Gläschen schwappte, wusste die Magistra, das etwas nicht stimmte. Unter einem Vorwand nahm die dunmerische Gelehrte Namir an ihre Seite und verließ mit ihm das Gasthaus, um geradewegs das Haus der Wissenschaft aufzusuchen.


    Dort angelangt berichtete der Schreiber völlig überstürzt über sein Treffen im Gasthaus, und Aethyra hatte anfangs einige Mühe, zu verstehen, was genau vorgefallen war. Als Namir sich endlich so weit beruhigt hatte, dass er halbwegs verständlich erklären konnte, was passiert war, hatte die Magistra allerdings nur noch mehr Fragen als Antworten.

    Die Erforschung des Dwemer-Amuletts war schon unter den bisherigen Umständen ein äußerst gewagtes Unterfangen. Das Auftauchen zweier "alter Bekannter" aus der Vergangenheit ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt machte die Angelegenheit noch wesentlich gefährlicher und verworrener.

    Nach den chaotischen Wochen, mit denen das letzte Jahr zu Ende ging, schien es, als beruhige sich die Lage im Haus der Wissenschaft wieder. Die katastrophal verlaufene Forschungsreise in der Alik´r war längst vergessen und aufgearbeitet. Die verworrenen und teils widersprüchlichen Gerüchte über Delias Tod waren ebenfalls geklärt, und es hatte sich herausgestellt, dass die bretonische Heilerin zwar schwer krank, doch keineswegs tot war, wie zunächst fälschlicherweise berichtet wurde.


    Was das Amulett des Abal al-Mazzeb anging, jenes Dwemerrelikt, das lange Zeit nur ein Mythos, wenn nicht gar eine frei erfundene Geschichte des einstigen Gelehrten al-Mazzeb zu sein schien, so hatte sich das Forscherhaus mit der Magiergilde darauf geeinigt, dass das Amulett unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen von Schildwacht nach Wegesruh gebracht werden und in der Gilde verbleiben sollte. Zunächst hatte es Streitigkeiten gegeben, ob das Amulett im Forscherhaus oder doch in der Magiergilde untersucht werden sollte. Einige Gildenmitglieder hatten argumentiert, das Relikt sei an die Magiergilde Schildwacht übergeben worden und somit rechtmäßiges Eigentum der Gilde. Madame Barneau wiederum hatte dem entgegengehalten, dass es sich lediglich um eine Leihgabe gehandelt habe. Schließlich gab die Mäzenin im Interesse einer guten Zusammenarbeit zwischen Gilde und Forscherhaus nach, und der Streit konnte beigelegt werden.


    So weit die offizielle Version. Doch Magister Benry Claverie hatte von Anfang an massive Bedenken gegen eine Aufbewahrung des Amuletts in der Magiergilde. Wenn die Geschichten rund um das Dwemerrelikt wirklich stimmten, dann war das Amulett eine Art machtvoller Speicher für arkane Energie und erlaubte seinem Träger, geradezu unbegrenzt Magie zu wirken. Sicher, es waren nur Geschichten. Doch das Amulett selbst wurde viele Jahrzehnte lang ebenfalls nur als Geschichte abgetan. Die Gefahr, dass auch nur ein einziger Magus oder eine einzige Magistra in Versuchung kam und das Amulett für ganz eigene Zwecke missbrauchen könnte, war in den Augen von Magister Benry einfach zu groß.


    Der Streit zwischen der Magiergilde und dem Haus der Wissenschaft war von Anfang an lediglich ein inszeniertes Schauspiel, um jene Magister zu beruhigen, die beharrlich darauf bestanden, das Amulett in der Gilde aufzubewahren. Insgeheim hatten Magister Benry und Madame Barneau sich darauf verständigt, das Amulett "offiziell" in die Wegesruher Magiergilde bringen zu lassen und es einigen ausgewählten Mitgliedern vorzustellen. So konnte sich jeder vergewissern, dass das Relikt mit Hilfe zahlreicher Schutzvorkehrungen in der Gilde verwahrt wurde. Doch unmittelbar nach der Vorstellung sollte das Amulett heimlich aus der Gilde geschafft und zum Haus der Wissenschaft gebracht werden.


    Im Forscherhaus selbst waren die Gefährten bereits eingeweiht. Im Haus waren Schutzzauber gewirkt worden, und Magus Aaravos und die Dwemerforscherin Sylvatica Aschehauch hatten zusammen einen "arkanen Käfig" konstruiert. So konnten Gefahren, die von dem Amulett ausgingen, möglichst gering gehalten werden, während das Dwemerrelikt untersucht wurde.


    Der Druck, der auf den Gefährten lag, war enorm. Sie hatten es nicht nur mit einem extrem mächtigen Relikt zu tun, bei dem keiner so recht wusste, womit sie rechnen mussten. Auch die Zeit arbeitete gegen sie. Das Amulett konnte schließlich nicht wochen- oder gar monatelang im Forscherhaus aufbewahrt werden, ohne dass der Diebstahl unbemerkt blieb.


    Sollte sich das Amulett als harmlos herausstellen, konnte es stillschweigend zurück zur Gilde gebracht werden. War das Amulett allerdings wirklich so gefährlich wie befürchtet, konnte es weder im Haus der Wissenschaft noch in der Magiergilde verbleiben, und es musste nach einer anderen Lösung gesucht werden. Doch zunächst hieß es, auf die Ankunft des Relikts zu warten.


    Dass ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ein knapp gehaltener Brief im Forscherhaus eintraf, in dem ein vermeintlicher Bekannter sich mit dem Schreiber im Gasthaus Zur trüben Neige treffen wollte, um über eine dringliche Angelegenheit zu reden, passte Namir so rein gar nicht.

    [DB] Wegesruh


    Das Jahr 592 der Zweiten Ära hatte begonnen. Wie so oft bei einem Neubeginn hofften nicht wenige Menschen und Mer, Khajiit und Argonier auf bessere Zeiten und schauten mit Freude, aber vielleicht auch mit Bangen auf für sie wichtige bevorstehende Ereignisse im neuen Jahr.


    Es war noch früher Morgen in Wegesruh, doch herrschte bereits reges Treiben auf dem Markt. Mägde eilten emsig über den Marktplatz, um die zuvor bei einem Tratsch verlorene Zeit wieder gut zu machen. Handwerker und Händler öffneten ihre Stände oder priesen ersten Kunden ihre Waren an. Zwei Bettler stritten sich um einen besonders guten Sitzplatz zum Betteln. Stadtwachen absolvierten gelangweilt ihre Runde. Ein Dieb prüfte unauffällig mit abschätzendem Blick einen wohlhabend aussehenden Dunmer. Ein Pferd scheute, als eine Gruppe von Kindern das arme Tier erschreckte.


    Niemand schenkte dem Altmer, der an jenem Morgen in feinem Anzug über den Markt lief, Aufmerksamkeit. Hochelfen waren in der Hauptstadt des Bündnisses keine Seltenheit. Dabei war der Altmer selbst für einen Angehörigen seines Volkes ungewöhnlich groß. Und die verbrannte linke Gesichtshälfte war alles andere als ein schöner Anblick. Hätte man jedoch später jemanden auf dem Marktplatz nach eben jenem Hochelf gefragt, es hätte sich niemand so recht an ihn erinnern können.


    Und so ging der Altmer unbeachtet von den Bewohnern Wegesruhs seines Weges, geradewegs zum Emporium Arcanum, um dort bereits zum zweiten Mal eine Reihe von alchemistischen Zutaten zu erwerben, die für sich genommen völlig harmlos waren und selbst einem erfahrenen Alchemisten unverdächtig vorkommen mussten. Wer sich jedoch mit der Herstellung seltener und zudem illegaler Tränke auskannte, dem wäre beim Anblick der vermeintlich harmlosen Zutatenliste unbehaglich geworden, wenn nicht gar ein eisiger Schauer über den Rücken gelaufen.

    [DB] Wegesruh


    Vielleicht lag es daran, dass die Stadtwachen alles daran setzten, den Vorfall nicht an die große Glocke zu hängen. Möglicherweise wollten viele Wegesruher Bürger sich so kurz vor Saturalia auch einfach nicht mit einem solch grausamen Verbrechen beschäftigen und sich lieber auf die anstehenden Festlichkeiten vorbereiten. Womöglich war das Opfer, ein altmerischer Gelehrter, einfach zu unbekannt, als dass das Verbrechen bei mehr als nur einigen Klatschweibern 2 oder 3 Tage lang für Gesprächsstoff sorgte. Den Stadtwachen konnte das geringe Aufsehen jedenfalls nur recht sein, denn sie hatten rein gar nichts an der Hand, was auch nur andeutungsweise zur Aufklärung des Mordes hätte beitragen können.


    Bei dem Opfer handelte es sich um einen Altmer, der vor einigen Jahren nach Wegesruh gekommen war, angeblich aus Himmelswacht. Keiner wusste seinen Namen, und er setzte alles daran, so unauffällig und zurückgezogen wie nur möglich zu leben. Ein Gelehrter, vermutlich Magister, möglicherweise Mitglied der Magiergilde (obwohl der Altmer dort nie gesehen wurde). Sein Kammerdiener fand den Mann vor wenigen Tagen tot in seinem bescheidenen Herrenhaus. Mal hieß es, das Opfer sei mit Jarrinwurzel vergiftet worden. Dann wieder war von unaussprechlichen Foltermethoden die Rede. Die wenigen Informationen, die zutage kamen, blieben äußerst vage, und die ganze Angelegenheit blieb bis auf weiteres ein Mysterium.


    Doch in gewissen Kreisen erregte der Vorfall besondere Aufmerksamkeit. Kreise, mit denen anständige Wegesruher aus gutem Grund nichts zu tun haben wollten, und die sie zurecht fürchteten.

    [DB] Wegesruh


    Wer regelmäßig die Geschehnisse rund um das Haus der Wissenschaft verfolgte, den konnte die Ankündigung kaum wirklich überraschen. Madame Barneau, Mäzenin des Forscherhauses, verkündete schriftlich, dass die Gefährten im Monat Abendstern nicht für Aufträge zur Verfügung stehen würde und man im Haus auch keine Besucher empfangen könne. Man wolle die letzten Tage und Wochen des Jahres zur inneren Einkehr nutzen und ein wenig zur Ruhe kommen.

    Zu viel war in der letzten Zeit geschehen. Der Leiter des Forscherhauses, Namir al-Rashid, wusste noch immer nichts über das Schicksal seines einstigen Mentors Victor Guérin. Die letzte Forschungsreise war allem Anschein nach ganz und gar nicht gut gelaufen und hatte den rothwardonischen Schreiber Gerüchten zufolge an seinen Führungsfähigkeiten zweifeln lassen. Der überraschende Tod der Heilerin Delia Lerineaux war eine weitere schwere Last, mit der die Gefährten fertig werden mussten. Und als ob das noch nicht genug wäre, gab es einen schwelenden Streit zwischen der Magiergilde Wegesruh und dem Haus der Wissenschaft bezüglich Kompetenzen und der Erforschung eines speziellen Artefakts, das für beide Parteien wohl einen besonderen Wert zu haben schien.

    Für einige Tage behaupteten einige Klatschweiber sogar, Aaravos Arden und Ulfrik Grimmson würden das Haus der Wissenschaft verlassen, und Namir al-Rashid würde die Leitung des Hauses an den Bibliothekar Ghin Korcisis abgeben. Aber es war eben nur ein Gerücht, das sich schnell als frei erfundener Unsinn herausstellte.

    [DB] Wegesruh


    Es war wohl schon länger bekannt, doch das Haus der Wissenschaft wollte mit der Veröffentlichung der Nachricht warten, bis es offiziell bestätigt wurde. Nun gab es endgültig Gewissheit - Delia Lerineaux, Heilerin und langjährige Gefährtin im Forscherhaus, war nach schwerer Krankheit gestorben. Unmittelbar nach der letzten Forschungsreise wollte die bretonische Heilerin vorübergehend eigene Wege gehen und hatte sich dem Gelehrten Rafaal el-Bahay angeschlossen. Während einer Forschungsreise von el-Bahay hatte sich Mademoiselle Lerineaux mit einer heimtückischen Fiebererkrankung infiziert und konnte trotz intensiver Bemühungen nicht mehr gerettet werden.


    Nicht nur die Gefährten des Forscherhauses, auch viele Wegesruher Bürger trauerten um die Heilerin. Sie mochte für manch einen wie eine edle Dame gewirkt haben (und sicher war sie das auch), doch sie zögerte nie, sich die Hände schmutzig zu machen, wenn es darum ging, in Not geratenen Menschen und Mer zu helfen. Manch einer erinnerte sich an ihre nicht unbedeutende Rolle, als sie dazu beigetragen hatte, eine Gruppe von Boethiah-Kultisten in Wegesruh zu bekämpfen.


    In einer öffentlichen Stellungnahme sagte Madame Barneau, Mäzenin des Forscherhauses, der Tod von Delia Lerineaux sei ein schwerer Verlust für das Haus der Wissenschaft. Sie habe sich auf gesellschaftlichen Anlässen perfekt zu benehmen gewusst, und doch kein Blatt vor den Mund genommen, wenn sie sich für Schwächere eingesetzt habe.


    Am kommenden Middas ab der achten Abendstunde würde es im Gasthaus Zur trüben Neige ein offenes Treffen geben für all jene, die einen letzten Becher auf die Heilerin erheben wollten, um sich von ihr zu verabschieden.