Das Flüstern jenseits der Schatten
Das Zwielicht lag schwer in den Gemächern, als die Flamme einer einzelnen Kerze den Raum in flackernde Schatten tauchte. Aethyra saß
still, beinahe regungslos, den Blick auf einen alten Band gerichtet,
der wie zufällig auf dem Tisch zu liegen schien. Der Einband war
dunkel, vom Alter gezeichnet, und doch wirkte er so, als hätte er
seit jeher auf genau diesen Augenblick gewartet.
Ihre Finger zögerten, ehe sie die Seiten aufschlugen. Ein süßlich-herber Geruch stieg empor, wie der Atem einer…
Ihre Finger zögerten, ehe sie die Seiten aufschlugen. Ein süßlich-herber Geruch stieg empor, wie der Atem einer…
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Vor
einigen Wochen erhielt die Magiergilde von Wegesruh überraschend
Besuch aus Himmelswacht. Während Magus Aaravos Arden die Gäste in
Empfang nahm, trat auch Aethyra in die Hallen der Gilde ein. Sie
brauchte nicht lange, um zu erkennen, wer die Reisenden aus den
Gefilden der Altmer waren.
Die Sonne stand gerade an ihrem höchsten Punkt, als ein Anwärter des Ordens der Hexenjäger mit einem dringlichen Schreiben der Kommandantin im Emporium Arcanum erschien. So wünschte Vivienne Lorans die Dunmer rasch zu sprechen, um ‚etwas‘ zu begutachten.
Es war ein ruhiger Abend als der Schreiber Namir al-Rashid zum zweiten Mal das Emporium Arcanum betrat. Abgesehen von dem Rothwardonen hatte die Magierin keine weiteren Kunden, sodass sich Aethyra ganz in Ruhe um das Anliegen des Mannes kümmern konnte.
Es war bereits spät in der Nacht als sich eine verhüllte Gestalt dem Eingang des Emporium Arcanum näherte. Im Gehen stützte sie sich auf einen langen Stab, an dessen Ende ein zerbrochener Kristall matt schimmerte. Die Frau mit der aschgrauen Haut trug eine Robe aus edlen, bräunlichen Stoffen, die hier und da durch kunstvoll verziertes Leder verstärkt wurde. Doch selbst im Zwielicht der Fackeln konnte man die Spuren des Kampfes an der Kleidung deutlich erkennen.…
Es war der 13. Tag der Zweisaat, nur wenige Tage nach der Eröffnung des Emporium Arcanum. Die weißhaarige Dunmer stand in aufrechter Haltung vor einem der überfüllten Bücherregale und betrachtete gedankenverloren ein Buch. Einen Moment später blätterte sie die Seite in einer fließenden Bewegung mit Zeigefinger und Daumen um. Der Text, welcher sich nun offenbarte, wurde in komplizierten, ungleichmäßigen Schnörkeln und Schleifen verfasst und bereitete…