Vorbereitungen

Vorbereitungen


„Kommt! Sündigt! Kauft eine dieser wunderbaren Taschen!“ Die khajiitische Händlerin pries auf einem Platz zwischen Kathedrale und großer Schmiede lautstark ihre Waren an, um Kunden anzulocken. Und das durchaus mit Erfolg. Neben zwei potentiellen Käufern stand auch Sharif am Wagen der Taschenhändlerin und begutachtete kritisch eine lederne Schreibertasche. Die Tasche war ohne Frage von guter Qualität und hatte mehrere kleine Halterungen für Tintengläser und Schreibutensilien, sowie Fächer für Pergamente. Der Preis war jedoch alles andere als günstig. Schließlich entschied Sharif sich für die Tasche, und nach einigem Feilschen mit der Händlerin konnte er sogar einen halbwegs annehmbaren Preis herausholen. Der Amateurforscher wurde einmal mehr schmerzhaft daran erinnert, dass sein Vermögen begrenzt war und er noch immer keine wirkliche Lösung gefunden hatte, wie er nach seiner Rückkehr von Betnikh möglichst schnell an möglichst viele Münzen kommen könnte.


Immerhin kamen die Vorbereitungen für die Reise zur Orkinsel gut voran. Ein robuster, wasserabweisender Reiserucksack, Schreibutensilien und Zeichengeräte, Kletterausrüstung, ein einfaches solides Faltzelt, Seile, Fackeln, ein Zunderkästchen, eine relativ aktuelle Karte von Betnikh, ein Kompass, dazu eine ganze Reihe weiterer Ausrüstungsgegenstände, von denen Sharif noch nie zuvor etwas gehört hatte, befanden sich inzwischen in seinem Besitz. Der Amateurforscher hatte schnell gemerkt, wie wichtig akribische Reisevorbereitungen waren, und dass man gut abwägen musste, was wirklich für die Reise benötigt wurde, und was nur unnützer Ballast war. Auch mit seinen Studien machte er gute Fortschritte, und sie halfen dem Amateurforscher dabei, sich ein ungefähres Bild von Betnikh und seinen Bewohnern zu machen und sich auf mögliche Schwierigkeiten vorzubereiten.


Die Umbauten in Sharifs Haus waren inzwischen ebenfalls abgeschlossen, so dass es jetzt neben dem Erdgeschoss noch eine obere Etage gab. Im oberen Bereich hatte der Rothwardone ein kleines Schlafzimmer eingerichtet, während unten mehrere Regale für Bücher sowie ein einfacher Tisch und zwei Stühle platziert waren. Zwar handelte es sich nur um gebrauchte Möbel, doch das Haus sah nun deutlich wohnlicher aus als noch vor wenigen Wochen.


Fangzahn, der khajiitische Informant, den Sharif angeheuert hatte, erwies sich schnell als äußerst goldgierig. Für jeden noch so kleinen Hinweis wollte der Khajiit zuerst Münzen sehen. Immerhin schien es, dass niemand hier in Dolchsturz nennenswert etwas von Sharifs Beutezug in Schildwacht mitbekommen hatte. Noch schien jemand Nachforschungen anszustellen und unnötiges Interesse an dem Rothwardonen zu zeigen. Zumindest behauptete der Khajiit, keine Gerüchte in dieser Richtung gehört zu haben. Sharif überlegte bereits, sich Fangzahn wieder zu entledigen, als ihm ein Gedanke kam. Vielleicht konnte der Khajiit doch noch weiter von Nutzen sein. Zum einen war da die anstehende Reise nach Betnikh. Es gab einiges an Ausrüstung und Gepäck zu schleppen. Der Amateurforscher hatte seine Ausrüstung bisher so zusammenstellen können, dass er theoretisch auch alles alleine tragen konnte. Doch ein Gehilfe als Träger war vielleicht gar nicht so schlecht. Andererseits würde das nur weitere Münzen kosten, erst recht bei einem so gierigen Khajiit.


Sharif dachte allerdings auch eher an einen anderen Vorteil durch Fangzahn. Es nützte nichts, das Thema „Münzen für die Forschung“ ewig vor sich herzuschieben und zu glauben, das Problem würde sich von alleine lösen. So sehr er das Diebesleben ablehnte, letztlich interessierte es ohnehin niemanden, woher die Münzen kamen, mit denen eine Forschungsreise bezahlt wurde. Zudem war der Amateurforscher nicht bereit, nun da er an seinem Ziel war, alles wieder aufzugeben, nur weil es an Münzen fehlte.


Es war nur eine vage Idee, eine pragmatische und vorübergehende Notlösung, falls es gar nicht anders gehen würde. So wenig es ihm gefiel, doch vielleicht musste Sharif noch einmal auf seine Fähigkeiten als Dieb zurückgreifen. Hier konnte Fangzahn dank seiner Diebeskontakte womöglich äußerst nützlich sein. Und mit seiner Gier nach Münzen hatte Sharif auch schon eine Schwachstelle des Khajiit gefunden, die er vielleicht zu seinem Vorteil ausnutzen konnte. Ein, vielleicht zwei Beutezüge, bis der Rothwardone eine legale Geldquelle gefunden hatte, dann würde er Fangzahn schon irgendwie wieder loswerden und sein Diebesleben endgütlig hinter sich lassen können.